Architektur, Film, Fotografie, Freie Kunst, Grafikdesign, Illustration, Mode - und Kostümdesign, Musik, Stadtplanung. 130 Leute sind in der Viktoriakaserne am Arbeiten.
December 4, 2009

Vom Kaufhaus zum Stadthaus

Vom Kaufhaus zum Stadthaus

Vom Kaufhaus zum StadtHaus

In der aktuellen öffentlichen Debatte dreht sich alles um die Fragen:
Wie wollen wir in unserer Stadt leben? Wem stehen städtische Flächen offen und wie können wir sie produktiv nutzen? Wie können wir Räume kultureller Produktion und gesellschaftlicher Aushandlung sichern und als konstitutives Element der Stadtentwicklung begreifen?

Als Zeitzeuge der Hamburger Stadtentwicklungs- und Kulturgeschichte hat das Frappant- Gebäude starken symbolischen Wert. War es in den 70er Jahren noch europaweit ein Vorzeigeprojekt, so wird es heute durch die jahrelange Verwahrlosung und politischen Versäumnisse als Schandfleck wahrgenommen.

Stadt und Politiker aber stehen in der Pflicht, urbane Räume und Felder zu unterstützen, vor allem dann, wenn sie von BewohnerInnen der Stadt in privater Initiative „beackert“ werden. Dort, wo kreative Experimentierfelder, soziale Netzwerke und heterogene Entwicklungen wachsen, entsteht die Nährlösung für eine lebendige und kreative städtische Gesellschaft.

Im Frappant beginnt sich seit ein paar Monaten eben dieses Modell von Urbanität zu entwickeln. Gegenwärtig haben sich 140 Menschen – Bildende Künstler, Designer, Architekten und Stadtplaner, Fotografen und Musiker – im Frappant-Gebäude als Verein Frappant e.V. zusammengeschlossen und vernetzt. Vier Etagen werden vollständig als Ateliers, Proberäume, Studios, Büros und Galerien genutzt. Aus Altona liegen viele Anfragen für die Nutzung weiterer Freiflächen im Gebäude vor. Es formiert sich eine wertvolle, neuartige Perspektive für die Zukunft der Großen Bergstraße und des gesamten Quartiers.

Denn das Frappant bietet die heute selten gewordene Chance, einen Ort aus sich selbst her- aus zu entwickeln. Dieser Ort kann viel mehr bieten als eine reine Einkaufsstraße. Dieser Ort kann ein städtisches und kulturelles Zentrum werden und zu einer Plattform für gesellschaftlichen Austausch
heranwachsen. Entwickeln wir das Frappant gemeinsam: vom Kaufhaus zum StadtHaus!

Das Frappant ist ein Freiraum für Experimente verschiedenster Art, der den öffentlichen Raum rund um die Große Bergstraße wirkungsvoll belebt. Das Frappant eignet sich gerade durch das Gebäudevolumen und die innere Raumstruktur für unterschiedliche Nutzungen, die sich hier gegenseitig synergetisch befruchten können. Durch die programmatische Dichte und das vielfältige Angebot werden die strukturellen Defizite der Umgebung ausgeglichen.

Damit dieses Konzept in einem nachhaltigen Prozess umgesetzt werden kann, braucht das Frappant zeitlichen und finanziellen Spielraum. Zu allererst muss die Stadt ihr Vorkaufsrecht in Anspruch nehmen und eine Frappant Genossenschaft bei ersten dringlichen Sanierungsmaßnahmen unterstützen.

Für weiterführende Informationen über das Konzept, das Gebäude und die aktuelle Situation sind Sie herzlich eingeladen, sich persönlich zu informieren.

Hier gibt es den Flyer (Bild und Text) als pdf-Version zum Drucken und Weiterleiten.

December 3, 2009

DAS PROGRAMM IN DIESER WOCHE

DI 01. DEZEMBER, 19:30H, ERDGESCHOSS FRAPPANT

VERNETZUNGSTREFFEN RECHT AUF STADT
Von St.Pauli bis Schanze, von Wilhelmsburg bis St. Georg: Im „Recht auf Stadt“- Netzwerk schließen sich die Initiativen für eine lebenswerte Stadt für alle zusammen. Das Treff en ist off en für interessierte Aktive und wendet sich nicht an VertreterInnen aus Politik und Medien. www.rechtaufstadt.net

MI 02. DEZEMBER, 19:30H, ERDGESCHOSS FRAPPANT

STADTTEILVERSAMMLUNG RECHT AUF ALTONA
für alle Altonaer Initiativen gegen Gentrifi zierung, Großprojekte und Grünentzug und für alle interessierten Bewohner_innen. Es geht um echte Bürgerbeteiligung, um Perspektiven von Vernetzung und Widerstands. Mit Moorburgtrasse Stoppen, Kein Ikea in Altona, Initiative Grünzug Altona, Apfelbaum braucht Wurzelraum u.a.

DO 03. DEZEMBER, 19:30H, ERDGESCHOSS FRAPPANT

GENTRIFIZIERUNG – WAS IST DAS? Am Beispiel St. Georg und Wilhelmsburg.

Gentrifizierung hat viele Gesichter – wir wollen heute abend mal an zwei Hamburger Stadtteilen versuchen, zu klären, wie sie abläuft, inwiefern sie ein von der Politik strategisch geplanter bzw. ein sozusagen durch den Immobilienmarkt gesteuerter Prozess ist. St. Georg erlebt seit gut zehn Jahren eine beispiellose Spekulationswelle, die Mieter_innen und kleinen Gewerben das Leben schwer macht – Michael Joho vom Einwohnerverein St. Georg berichtet darüber. Außerdem geht es um Wilhelmsburg: Mit IBA und Ballinstadt, subventionierten Studentenwohnungen und anderen Projekten soll die „Bronx des Nordens“ (Spiegel) im Sinne der Wachsenden Stadt erschlossen werden. Der Arbeitskreis Umstrukturierung Wilhelmsburg erzählt uns davon.

Fr 04. Dezember, 19:30H, Goldener Salon

HILFE, DIE TÜRME TANZEN
Privatisierung, Verdrängung und Widerstand auf St. Pauli.
Seit 2005 sind die Mieten auf St. Pauli um fast 28% gestiegen, der Anteil von Migrant_innen hat sich im letzten Jahrzehnt halbiert, der Spielbudenplatz ist erfolgreich privatisiert, am Millerntorplatz entstehen die “Tanzenden Türme” von Teherani und die Polizei verteilt Platzverweise an Dosenbiertrinker, damit die sich die Bewohner des “Brauerei-Quartiers” nicht gestört fühlen. Keine Frage - St. Pauli ist Toplage. Ganz St.Pauli? Nein. An der Bernard-Nocht-Straße wehren sich Bewohner_innen gegen die Errichtung von 78 Eigentumswohnungen und die GWA St. Pauli hat mit dem Film “St. Pauli Empire” den Antigentrifizierungs-Blockbuster im Sommer 2009 produziert. Diskussionsveranstaltung mit No BNQ, GWA, Hafenstraße, Park Fiction, Golden Pudel Club und Es Regnet Kaviar

SA 05.12., 12 Uhr, Erdgeschoss und vor dem Frappant

Koch- und Agitprop-Happening: ETWAS BESSERES ALS KÖTTBULLA
Sarah Wiener (bekannt aus Funk und Fernsehen) macht Lausitzer Plinsen – besser bekannt als Pfannekuchen. Das Rezept verraten wir demnächst an dieser Stelle.

Sa 05. Dezember, 19:00H, Goldener Salon

GÄNGEVIERTEL – GANGBARE BESETZUNG?
Widerspruch und Möglichkeiten. Diskussion um die Perspektiven von Besetzungen.
Die “Komm in die Gänge”-Besetzung ist zum Symbol für den Kampf um eine andere Stadt geworden, zur prominentesten Hausbesetzung seit der Hafenstraße. Doch ist es überhaupt eine Besetzung? Kaum etwas erinnert an den Häuserkampf der 70er und 80er, und trotzdem scheinen die Gängeviertel-Aktivist_innen aus der Vergangenheit gelernt zu haben. Diskussion um das Selbstverständnis des Gängeviertels – mit Beiträgen aus Westwerk, Hafenstraße, Rote Flora, Mietshäuser Syndikat u.a.

So 06. Dezember, 19:30H, Goldener Salon

AUF DEM SCHULTERBLATT NACHTS UM HALB EINS
Schanzen- und Karoviertel sind in den letzten Jahren vom Sanierungsgebiet zur Gastro- und Shoppingmeile geworden. Die Phase der allmählichen Aufwertung scheint einer Turbo-Gentrifzierung zu weichen, in deren Zuge Gastro- und Shoppingketten den neuen Schanzenkiez entern und noch der letzte grüne Fleck eventisiert werden muss. Wen wundert es, dass Immobilienspekulant Klausmartin Kretschmer und die Taz die Rote Flora nicht mehr zeitgemäß finden? Diskussionsveranstaltung zu Schanzen- und Karoviertel mit Centro Sociale, Rote Flora, Vorwerkstift, Gartenkunstnetz, Initiative Neuer Pferdemarkt u.a.

November 29, 2009

Montag im Frappant: Etwas Besseres als Ikea

MO 30. NOVEMBER 19:30H, ERDGESCHOSS GR. BERGSTRASSE 168

Im Frappant-Gebäude in Altona hat das „Recht auf Stadt“ Einzug gehalten – mit tatkräftigem Support von NIONHH. Beim Auftaktfest strömten mehrere Tausend Leute in das ehemalige Kaufhaus, erkundeten die Ateliers, sangen mit der Pudel Maschine „Das ist unser Haus!“, tanzten zu Fatih Akins sowie Tex & Erobiques DJ Set, tranken alles Bier leer und staunten über so viel vielversprechenden Raum.

Heute, am Montag den 30.11., 19:30h denken wir gemeinsam darüber nach, wie wir den als „Schandfleck“ gescholtenen Ort in ein soziales Zentrum für alle verwandeln können. Denn wer noch immer glaubt, dass sich die Stadt durch die Ansiedlung von Megamärkten „beleben“ lässt, möge bitte die unter keystudies_on_BigBoxes gesammelten Studien zum Thema aus den USA zur Kenntnis nehmen. Wal Mart, Ikea & Co. entziehen der lokalen Ökonomie Kaufkraft und senken die Lebensqualität Obwohl es in der Großen Bergstraße schon mehrfach gescheitert ist, hängt der Bezirk Altona am „Konzept Ankermieter“ wie der Süchtige an der Nadel.

Großartig dagegen ist die Vision, einen gescheiterten Siebziger-Jahre-Kauftempel mit lauter nützlichen Einrichtungen zu bestücken, die auch noch Spaß machen. Ein Go-Kart-Bahn für Kinder, günstige Wohnungen, Ateliers, soziale Einrichtungen, ein Gästehaus für die Nachbarschaft – da geht einiges. Hunderte von Anwohner_innen bestaunen seit Samstag das große Bauschild-Transparent „Vom Kaufhaus zum Stadthaus“ im Erdgeschoss (ab Mo draußen). Es gibt eine Vorstellung davon, was möglich wäre, wenn man das Frappant „aus sich selbst heraus“ entwickelt. „Dieser Ort kann viel mehr bieten als eine reine Einkaufsstraße. Dieser Ort kann ein städtisches und kulturelles Zentrum werden und zu einer Plattform für gesellschaftlichen Austausch heranwachsen“, schreiben der Architekt Oliver Zorn und der Stadtplaner Benjamin Häger zu ihrem Konzept. Heute abend stellen sie es vor – flankiert von den Ideen und Konzepten der Frappant-Künstlergruppe SKAM. Außerdem spricht die Initiative „Kein Ikea In Altona“ über denKontext der vom Bezirk gewünschten Ikea-Ansiedlung, den so genannten „Masterplan Altona“ : „Ikea ist nur ein Baustein in der massiven politisch gewollten Veränderung des Gebietes. die Entwicklung unseres Viertels zu bestimmen“, so die Initiative. „Wir haben es also mit dem geplanten Bau von Ikea nicht nur mit Verkehrschaos, Lärm­ und Abgasbelastung oder der Vertreibung von alteingesessenem Gewerbe und den KünstlerInnen zu tun, sondern darüber hinaus mit einem groß angelegten Aufwertungsprozess, der sich ausschließlich an den Interessen von Unternehmen und Wohlhabenden orientiert und die negativen Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung bewusst ignoriert oder sogar befürwortet.“ Hier ist das Flugblatt.

Anschließend gibt’s Gelegenheit zur Diskussion mit Frappant e.V., Initiative und Bürgerbegehren „Kein Ikea In Altona“. Alle Nachbar_innen und Gewerbetreibenden sind herzlich eingeladen. Und schön warm anziehen! Wir bringen Heizungen und Glühwein, ihr bringt Decken mit!